(Text: H. Renner, P.
Kroll, O. Selischkar; Musik: P. Kroll, O. Selischkar)
FLIP (Typ): Nach zehn Tagen Regen blinzelt endlich wieder
die Sonne durch die Wolkendecke, es ist Wochenende, ich schlender
Richtung Zentrum vorbei an der Drogenecke, wo sich knöcherne
Gestalten die Nacht um die Ohren geschlagen haben, heiße Bandagen
für meinen Magen, der mir mit leichtem Druck seinen Hunger
mitteilt. |
Ein Mann am Straßenrand mit Hut bettelt um Geld und Mitleid. Da
ich Zeit hab, greif ich in meine Tasche nach einer Münze, wirf sie
in seine Kiste als mich plötzlich ein versnobter Typ von hinten anrennt,
in schwarzen Anzug eingezwängt, dunkler Teint, dunkles Hemd, ich
nenn ihn ungehemmt "Arschloch, fahr doch zur Hölle du Snob!" doch
mit seinem Handy am Kopf verschwindet er auf die Schnelle im Mob.
HUCKEY (Snob): Was ich wie die Pest hass,
ist wenn mein Handy kein Nez hat und es nichts mit dem abendlichen Sektbad,
weil mein Whirlepool ein Leck hat und ich die Reparaturwerkstatt nicht
erreichen kann. Wissen sie, sowas stört einen reichen Mann, denn
zwischen Einkauf und Leistungszwang braucht man schließlich auch
ein bißchen Zeit für sich selbst und eine andere Welt; die
von Jean Paul Gaultier, Ralph Lauren und Karl Lagerfeld. Ich brauch´neue
Klamotten und such´ sie bei Gucci. Die Masse auf der Straße
ist was ich so sehr hasse, daß ich wünschte sie wären
tot wie Versace! Diesen Bettlern und Drecksäuen wünschte ich
bestenfalls die Pest an den Hals! Ja, sie lästerten als er sterben
mußte, dabei stellten er und mein goldenes Nokia die Eckpfeiler
meiner Lebensphilosophie dar! Gegenüber vor der öffentlichen
Toilette vor der Cafeteria schlägt man einen schlecht angezogenen
Menschen nieder. Ich sag´s ja immer wieder: Es kommt sowieso zu
viel Abschaum in die Stadt, phhh, ich bin sicher, daß er´s
verdient hat!
OH-VO (Schläger): Nach acht Stunden
Fabrik bin ich heute sowieso schlecht drauf diese Kellerassl kommt mir
gerade recht er fängt sich eine rechte gerade ein nach meiner täglichen
Fetzerei fühl ich mich frei nur Weicheier kämpfen mit Messer
ich bin Knochenbrecher diesen Wixer zerleg ich höchstpersönlich
es ist ein Vergnügen für mich wenn ich ihm das Nasenbein offenlege
und mein Opfer am bodenliegend mit meinen Boots die Fresse eintrete
und sein Zähne am Gehsteig verteile ich stecke den Kopf dieses
asozialen Ablegers in die Muschel des öffentlichen Wassercesars
CHORUS SCRATCH: Die Strasse der Träume
gehen viele Millionen, doch alles was davon bleibt sind nur Illusionen
HUCKEY (Drunk): Mit dem Gesicht im Klo
leb´ ich auf sinkendem Niveau. Tief im Herzen von Nirgendwo lebt
es sich mit viel Risiko. Personen sind austauschbar und aus ich wird
du und umgekehrt. Das Gehirn bleibt unterernährt in der Menschenwüste.
Die endlosen Gelüste nach dem Unerreichbaren und Sehnsüchte
nach greifbaren Reizwaren machen den Geist arm. Aber Geld stinkt nicht
und Fleisch kann man waschen. Ich hab´ viel Rausch im Kopf und
doch noch Geld in den Taschen. Voller Sturm und Drang wank´ ich
die Straße entlang. Ein Gefühl gegen das ich nicht ankann
sagt mir: Das ist erst der Anfang. Ich bin fest entschlossen, was ich
nüchtern kann, das kann ich erst recht besoffen. Ich dreh´
mich um und werfe einen Blick zurück in die Unschärfe. AH!
Hier ist das Objekt der Begierde! Ich muß handeln bevor ich sie
aus den Augen verliere! WOW! Was für eine Frau mit Bart! Der muß
ich zeigen was ich drauf hab´! Sie biegt um die Ecke und ich lauf´
ihr nach....
OH-VO (Transvestit): Ich bin es gewohnt
daß mir Männer und Frauen nachschauen obwohl viele sicher
nicht zugeben würden daß sie gerne eine Nacht mit mir in
einem Raum verbringen möchten ich sehe meinen Körper als Gesamtkunstwerk
bevor ich die Wohnung verlasse schmücke ich mich dann präsentiere
ich mich in den Ballungszentren von Metropolis schon wieder so ein eindeutiges
Angebot aber für die meisten bin ich nur ein abartiger Exot der
ihnen ein sexuelles Erlebnis verschaffen sollen das sie nie vergessen
werden aber ich komme damit klar nur manchmal wenn ich bei der Volksschule
vorbeigehe werde ich depressiv weil ich weiß daß ich nie
selber Kinder krieg und sie nie zulassen werden daß ich eins adoptier
FLIP (Kind): Gleich nach der Schule, zieh
ich mit meiner Bande um die Blöcke, oder geh zu Andi, dessen Mami
mich verköstigt, wenn mal wieder nichts im Kühlschrank ist
zum Aufwärmen, ich scheiß auf´s lernen und den faden
Unterricht, weil ich lieber vorm Computer sitz und im Netz surf, Zum
Glück weiß meine Mutti nicht, daß ich Benachrichtigungen
wegwerf. Aber die hat sowieso kaum Zeit für mich und wenn mich
wer fragt "Was macht die eigentlich?" sag ich meistens nichts. Und obwohl
unsere Nachbarn über sie schimpfen hab ich sie trotzdem lieb, auch
wenn mein Lehrer sagt, daß es für uns keine Hoffnung gibt.
CHORUS SCRATCH
OH-VO (Prostituierte): Nach dem Mittagessen
öle ich meine Werkzeuge den ersten Besuch bei mir nenne ich die
Feuertaufe das ist erst die zweite Packung Zigaretten die ich heute
rauche ich lege mich hin küssen ist bei mir nicht drin das kostet
extra meine Kolleginnen und ich sind verschworene Schwestern wir sind
nicht von gestern bezahlt wird vorher sonst passiert gar nichts am Strich
verkauf ich Befriedigung keine Liebe mein Arsch und meine Ritze bezahlen
meine Miete im Hinterzimmer wartet schon wieder so eine fette Sau vor
der mir graust aber Augen zu und durch
FLIP (Freier): Eins gleich vorneweg: ich bin ein Freund käuflicher
Liebe, weil ein Mann mehr braucht als feuchte Träume und Küsse
auf die Wange zum Abschied. Ich hab keinen Bock auf Blümchensex,
ich brauch den ruff shit. Streng und korrekt wie Mathematik, keine Sexualpraktik,
die mir zu hart und strange wär. Ich bin Stammkunde im Puff, denn
dort sind sie bestens versorgt mit Lack und Leder. Leg den Cash auf
den Tisch und folge der Domina ins Separee, in ihr kleines aber feines
S&M Atelier, wo sie es mir ordentlich besorgt. Es folgen ordinäre
Worte und Handlungen der härteren Sorte. Nach zwei Stunden verlaß
ich schlie0lich das Verließ zurück ans Tageslicht, wo ich
einen Polizisten grinsend grüß: "Grüß Gott, Herr
Inspektor!"
HUCKEY (Cop): Guten Tag! Ich bin das einzige
Regulativ in der Gegend, ich kenn´ hier Alles und Jeden! Wenn
ich mit meiner Polizeikarre vorbeifahre fürchtet Mann und Frau
sich, egal ob mit oder ohne Blaulicht! Vom Transvstiten zum besoffenem
Typen bis zu Mammis die die Kinder hüten: Ich gehöre nicht
zu dieser Armee der Verlierer, denn es war vor Jahren als ich noch die
Nummer 2 am Revier war. So ein kleiner Rohrkrepierer, wie der Typ der
gerade so hastig von der Nutte weggeht. Fakt ist, daß es mir jetzt
gur geht, denn Alles ist korrekt und sauber so wie es schon immer mein
Traum war. Es gedeihen Flora und Fauna und ich freu´ mich diebisch,
denn schließlich weiß ich mehr von euch als euch lieb ist.
Ja, auch für einen Cop wie mich sind solche Snobs nur Mist! Un
so leben wir unvereinbar, obwohl´s seitens unsereiner ja gar nicht
so gemeint war, und auch Heute gibt´s nicht viel Rabazz auf meinem
Abenteuerspielplatz. Auch wenn der eine sich mit dem anderen in der
Wolle lag, es ist gut, daß ich hier bin und Alles unter Kontrolle
hab´!
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